Handarbeit in Perfektion


Kolben für HBO-Lampen zu formen, ist sehr anspruchsvoll. Lucie Kunovská zeigt im tschechischen Werk Bruntál dabei viel Fingerspitzengefühl – und großes Talent.

Gute Kolbenglasbläser sind geduldig und geschickt, sorgfältig und verantwortungsvoll. Vor allem aber brauchen sie viel Erfahrung in der Verarbeitung, denn der Umgang mit den zerbrechlichen Glasrohren ist heikel: Ein Moment der Unachtsamkeit genügt, um stundenlange Arbeit zunichte zu machen. Im tschechischen Bruntál fertigt Lucie Kunovská Kolben für HBO-Lampen von hoher Qualität – und das als äußerst talentierte Quereinsteigerin.

„Alles muss auf den Zehntelmillimeter stimmen und absolut sauber sein.“

Lucie Kunovská,
Glasbläserin in Bruntál, Tschechien

Weil Quarzglasbläser in Tschechien kaum zu finden sind, suchte OSRAM im Werk Bruntál Mitarbeiter in seinen eigenen Reihen, um sie für die Herstellung von HBO- und HMI-Kolben zu schulen. Lucie, seit 2007 bei OSRAM, hat sich dabei als besonders geschickt erwiesen. „Bereits nach gut einem Jahr liefert Lucie heute ausgezeichnete Ergebnisse“, sagt Produktionsleiter Jaroslav Furiš. „Und das, obwohl die reguläre Lehrzeit eigentlich bis zu drei Jahren dauert.“

In Bruntál werden Kolben für Quecksilberdampflampen mit einer Leistung von 1 KW bis 25 KW produziert. Zum Einsatz kommen sie im Entertainmentbereich und bei Sportveranstaltungen, als leistungsstarke Tageslichtlampen in der Filmindustrie oder in der Produktion von LCD-Bildschirmen. Lucie schafft in einer Achtstundenschicht sieben Kolben. Kollegen mit viel Erfahrung produzieren zehn bis 15 Kolben pro Schicht.


Um einen Kolben für eine der Quecksilberdampflampen zu formen, richtet Lucie zunächst bis zu fünf kürzere Glasrohre in der Achse aus. Sie verschmilzt sie mit Hilfe eines Brenners zu einem langen Rohr. „Es dürfen keine Ansatznähte zu sehen sein, und das Glas darf keinerlei Fremdkörper oder eingeschlossene ­Blasen enthalten“, sagt Lucie. Sie hängt das Glasrohr in eine Maschine und bläst unter dem Einsatz von Graphit vorsichtig die Rohrmitte auf. Dabei steuert sie über ein Fußpedal eine Wasserstoffflamme, die mehr als 2.000 Grad heiß ist.

Ein Schild schützt Lucie vor der Flamme, ein geschwärztes Sichtfenster hält UV-Licht fern und verhindert Augenverletzungen. Dennoch: Es bleibt ein heißer Job. Zumal gleich nebenan Kollegen an neun weiteren Maschinen arbeiten. „Mir macht die Hitze nicht viel aus“, sagt Lucie. „Ich komme nicht so leicht ins Schwitzen.“

Ist das Quarzglas in der gewünschten Größe geblasen und abgekühlt, prüft Lucie mit einem speziellen Messgerät noch einmal die Qualität des Kolbens: „Alles muss auf den Zehntelmillimeter stimmen, das Glas muss stabil, sauber und spiegelfrei sein“, erklärt Lucie.

„Das Glasblasen macht mir großen Spaß”, sagt Lucie, „doch einfach ist es nicht. Zum Glück helfen mir die erfahrenen Kollegen, so lerne ich jeden Tag dazu. Ich hoffe, dass ich die 2,5 KW-Kolben bald perfekt beherrsche. Denn mein Ziel sind natürlich die großen 25 KW-Kolben!“