Wachstum auf Lichtrezept


Gemeinsam mit der Michigan State University forscht OSRAM nach neuen Wegen, um den Anbau von Pflanzen in Gebäuden effizienter und wirtschaftlicher zu machen. Der Projektleiter David Hamby spricht mit Prisma über vertikale Landwirtschaft, Lichtrezepte und die Geschäftsaussichten für OSRAM.

PRISMA  Beim Vertical Farming, also der Landwirtschaft in Gebäuden, spielt künstliches Licht eine entscheidende Rolle. Aber wie beeinflusst Licht eigentlich das Pflanzenwachstum?

HAMBY  LED-Beleuchtung kann den Geschmack, das Aussehen und den Nährstoffgehalt vieler Pflanzen beeinflussen, die Erträge steigern und die Wachstumszeiten verkürzen. Indem wir das Lichtspektrum anpassen, können wir beispielsweise die Nährstoffaufnahme von Salat erhöhen oder steuern, ob Basilikum mild oder stark schmeckt. Jede Pflanze besitzt andere Lichtanforderungen. Deshalb forschen wir zusammen mit der Michigan State University nach den richtigen Lichtrezepten – damit Basilikum, Blattsalat und Co ihr ganz eigenes, auf sie abgestimmtes Lichtmenü bekommen.

 

PRISMA  Und warum sprechen wir von "Vertical" Farming – was ist daran vertikal?

HAMBY  Das bedeutet ganz einfach, dass die Pflanzen in speziellen Gewächsschränken auf mehreren Ebenen übereinander, also vertikal, wachsen. So gedeihen mehr Pflanzen auf kleinstem Raum. Das ist überall da wichtig, wo der Platz rar ist, zum Beispiel in Großstädten.

 

PRISMA  Welche Aufgabe hat OSRAM bei dem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Michigan State University (MSU)?

HAMBY  Die Abteilung Innovation hat dem Forscherteam an der MSU ein von uns entwickeltes, vernetztes Beleuchtungssystem zur Verfügung gestellt. Es kann in ihrem Labor eingesetzt werden, um für die Pflanzen praktisch jede Beleuchtungsumgebung zu kreieren.

„Wir wollen unser Wissen aus den Partnerschaften nutzen, um wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für Vertical Farming zu entwickeln.“ David Hamby, Projektleiter Smart Horticulture Solutions

PRISMA  Was ist das Besondere an der Lichtlösung von OSRAM?

HAMBY  Das System besteht im Wesentlichen aus 72 ansteuerbaren LED-Strahlern, Mikroprozessoren, Temperatursensoren und einer von OSRAM entwickelten Software. Mit der Software lassen sich Lichtintensität, Wellenlänge und die Dauer der Lichtbestrahlung ganz individuell steuern. So können beliebig viele Lichtszenarien – also individuelle Lichtrezepte – programmiert werden.

 

PRISMA  Wie genau können wir uns diese Lichtrezepte für Pflanzen vorstellen?

HAMBY  Die Lichtrezepte sind eine echte Herausforderung. Wie gesagt, es gibt kein einheitliches Lichtrezept, da jede Pflanze seine eigenen Anforderungen hat. Außerdem kann das Lichtrezept je nach Wachstumsphase einer Pflanze oder sich ändernden Umweltbedingungen variieren. Hinzu kommt, dass alle Faktoren, die das Pflanzenwachstum beeinflussen – also Beleuchtung, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, CO2, usw. – sich auch gegenseitig beeinflussen. Also muss jedes Lichtrezept all diese Faktoren berücksichtigen.

 

PRISMA  Wie profitiert OSRAM von der Zusammenarbeit mit der MSU?

HAMBY  Die MSU ist führend bei der Umsetzung von Beleuchtungsstrategien und Datenerfassung. Durch die Zusammenarbeit gewinnen wir ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen, die mit der Indoor-Landwirtschaft verbunden sind. Die Partnerschaft ermöglicht uns, über die reine Lichtanwendung hinauszugehen. In der Zusammenarbeit lernen wir, die gesammelten Daten zu verstehen - ebenso wie die Entscheidungen, die sich daraus für uns ergeben. Und wir wollen den Bereich noch mehr durchdringen. Deshalb arbeiten wir mit auch mit anderen Start-ups zusammen, die ähnliche Lichtsysteme von unserer Abteilung Innovation nutzen – zum Beispiel im Bereich der Pflanzenforschung. Unser Wissen daraus wollen wir nutzen, um wirtschaftlich sinnvolle Lösungen für Vertical Farming zu entwickeln.

 

Ein Video über die Forschungskooperation mit der Michigan State University finden Sie in unserer Reportage mit Innovationsmanager Timo Bongartz.