Achtung Fettnäpfchen


Andere Länder, andere Sitten: Viele Vorurteile halten sich hartnäckig, aber einige kulturelle Besonderheiten können für Geschäftsreisende tatsächlich schnell zur Stolperfalle werden. Wir haben eine kleine Auswahl beliebter und kurioser Fettnäpfchen aus aller Herren Länder zusammengestellt.

Sehr geehrte Frau Professor Doktor

Mit seinem saloppen „Hej du“ als Begrüßung wäre der Skandinavier in Polen wohl nicht so gut beraten. Den Geschäftspartner allein schon nur mit seinem Nachnamen anzureden gilt hier gemeinhin als unhöflich – es gehört sich die Anrede mit Titel, also etwa „Herr Direktor“ oder „Frau Vorsitzende“. Will man seinem Gegenüber schmeicheln, sind auch Upgrades beim Titel willkommen. So wird etwa aus dem Abteilungsleiter kurzerhand ein Direktor oder aus der Staatssekretärin eine Ministerin.

Vorsicht, Knuddelalarm

Der Kollegin zur Begrüßung ein Küsschen auf die Wange hauchen, den Geschäftspartner beim Abschied in den Arm nehmen, sich gegenseitig auf die Schulter klopfen – und während des Gesprächs immer mal wieder die Hand oder den Arm des Gegenübers tätscheln: In Brasilien ist das üblich. Für vergleichsweise zurückhaltende Europäer oder Asiaten bedeutet das: den Kontakt zulassen, auch wenn es vielleicht schwerfällt. Alles andere wirkt auf Brasilianer distanziert.

Zurück in die Steinzeit?

Ob beim Tragen eines schweren Koffers oder beim Ausstieg aus dem Auto: Egal wie emanzipiert und beruflich erfolgreich sie sind – wenn es darum geht, in den Mantel geholfen zu bekommen, stehen unter anderem russische Frauen noch immer auf Gentlemen. In Australien kann man sich mit einer solchen Aktion hingegen richtig in die Nesseln setzen: Männer, die Frauen die Tür aufhalten, gelten hier als steinzeitlich.

Schluss jetzt!

Wenn ein gemeinsames Geschäftsessen in China zu Ende ist, dann ist es auch wirklich zu Ende. Es gibt keinen Kaffee zum Abschluss oder ein paar Minuten zum Plaudern. Sind die letzten Früchte zum Nachtisch verspeist, stehen alle Anwesenden scheinbar unvermittelt auf und gehen. Mit Ausnahme des leicht verblüfften Europäers, der sich gerade noch gemütlich einen Espresso bestellt hatte.

Small Talk gefällig?

„Hallo, ich habe um 12 Uhr einen Termin bei Herrn Schmitt“ – das mag in vielen Ländern bei der Anmeldung am Empfang funktionieren. US-Amerikaner empfinden es hingegen als unhöflich, direkt mit der Tür ins Haus zu fallen. Stattdessen erkundigen sie sich erst mal nach dem Befinden ihres Gegenübers oder machen ein kleines Kompliment, etwa zur Krawatte. Dabei sind Superlative prinzipiell höchst willkommen. Es darf gerne „wundervoll“, „exzellent“ oder gar „großartig“ sein, auch wenn ein „okay“ der Sache vielleicht näher kommen würde.

Zusammen oder getrennt?

Hier meint der Kellner nicht den Beziehungsstatus seiner Gäste, sondern möchte wissen, wer am Ende des gemeinsamen Essens die Rechnung begleicht – in Deutschland sind geteilte Rechnungen nämlich durchaus üblich. Wenn nicht anders vereinbart, bezahlt jedoch der Gastgeber – am besten diskret abseits des Tisches. Hier kann er sich dann auch von seinem Schrecken erholen, sollte ein Gast über die Stränge geschlagen haben. Denn eigentlich gehört es sich nicht, das teuerste Gericht auf der Karte zu bestellen.

Einmal ist keinmal

Im arabischen Raum spielt die Beziehungspflege auch im geschäftlichen Umfeld eine große Rolle. Dazu gehören auch gemeinsame Freizeitaktivitäten. Private Einladungen gelten als höchste Ehre. Doch Vorsicht: Das Gebot der Gastfreundschaft kann dazu führen, dass Einladungen aus Pflicht ausgesprochen werden. Üblicherweise ist erst das dritte Angebot wirklich ernst gemeint. Stil beweist daher, wer zunächst zweimal freundlich ablehnt.

 

 

 

SCHON GEWUSST?

„Ins Fettnäpfchen treten“ beschreibt eine peinliche Situation, die man unabsichtlich, oft auch unwissentlich heraufbeschwört. Belegt ist die Redewendung seit dem 19. Jahrhundert – und geht wohl auf das mittelalterliche Fettnäpfchen zurück. Dieses diente zum Auffangen von Speisefett, das durch Räuchern von Fleisch über der Feuerstelle anfiel und vielseitige Verwendung fand: zum Kochen, für Talglampen oder zum Einfetten der Stiefel. Meist stand es auf dem Boden, wo man leicht hineintreten und sich beim Hausbesitzer entsprechend unbeliebt machen konnte.


Haben Sie auf Geschäftsreisen solche oder ähnliche Erfahrungen auch schon gemacht? Erzählen Sie uns davon! prism@osram.com