Pionier des digitalen Lichts


Die Digitalisierung eröffnet völlig neue Wege und Möglichkeiten. Das Potenzial für das Kerngeschäft unseres Unternehmens ist riesig. Was kann Licht in Zukunft alles ermöglichen? Unsere Entdeckungsreise hat uns nach Garching geführt. Hier forscht Gerhard Maierbacher an einer smarten Vision.

Licht an – und die Internetverbindung steht. Schnell das Smartphone in den Lichtkegel gehalten und die Daten fließen. Was wie eine Szene aus einem Science-Fiction-Film wirkt, ist für den Forschungsingenieur Gerhard Maierbacher die Zukunft der kommenden fünf, maximal zehn Jahre. Der Arbeitsplatz des Experten für Nachrichtentechnik gleicht einem Physiklabor. An mehreren Stellen im Raum verteilt stechen direkt die roten Buzzer-Knöpfe ins Auge, die im Notfall die Geräte vom Strom trennen.

Zwischen Kabelgewirr und Messinstrumenten holt Maierbacher eine kleine, unscheinbare, quadratische Platte hervor, an der Leuchtdioden und ein Chip befestigt sind. „Die Grundkomponenten für die optische Datenübertragung der Zukunft sind schon heute vorhanden“, erklärt er. „Unsere Herausforderung ist es, sie sinnvoll zusammenzuführen und reif für den Markt zu machen.“ Die Technologie, von der Maierbacher spricht, heißt Light Fidelity, kurz LiFi. Die Begriffsähnlichkeit zu WiFi ist beabsichtigt. Tatsächlich könnte die Datenübertragung per Licht das klassische WLAN schon bald ergänzen, vielleicht sogar ganz ersetzen.

Kabel und Messinstrumente: Maierbachers Arbeitsplatz gleicht einem Physiklabor.

„Die digitalisierte Welt wird immer schneller, smarter und vernetzter – warum also nicht auch Licht als Kommunikationsmedium nutzen?“ Mit dieser Frage holt uns Maierbacher direkt ins Thema und in ein offenes Gespräch. Mit spürbarer Begeisterung erklärt er uns seine Vision. Winzige LED oder Laser in Beleuchtungssystemen wären dann in der Lage, das Lichtspektrum für sehr hohe Datenübertragungsraten nutzbar zu machen. Oder einfacher ausgedrückt: Jede Leuchte könnte so zum Internet-Spot werden. Für OSRAM bietet diese neue Dimension von Licht ein großes Potenzial. Deshalb hat der Bereich Corporate Innovation den Elektrotechniker vor einem knappen Jahr ins Unternehmen geholt. Seither treibt Maierbacher, der vorher am Fraunhofer-Institut gearbeitet hat, in einem kleinen Team das Zukunftsprojekt Optical Wireless Communication (OWC) voran.

Derzeit ist der 40-Jährige damit beschäftigt, erste Prototypen der OWC-Technologie zu analysieren und zu bewerten. Einige Start-ups haben sich bereits in dem Markt positioniert, der viele Jahre rein akademisch geprägt war. Das Interesse von Unternehmen und Herstellern ist geweckt, nicht nur bei OSRAM. Bis Ende des Jahres soll Maierbacher für das Unternehmen einen eigenen Versuchsaufbau fertigstellen, um die OWC-Technik im Hinblick auf mögliche Anwendungsfälle und die damit verbundenen Anforderungen genauer abzuschätzen.

„Wer neue Wege einschlagen will, muss sich auch trauen, unbekanntes Terrain zu betreten.“ Gerhard Maierbacher, Senior Research Engineer bei Corporate Innovation

Internet per Straßenlaterne

Nutzen ließe sich OWC auf vielfältige Weise: Da ist zum einen der Massenmarkt Internet, vom Privat- und Bürobereich bis hin zur Datenübertragung via Smartphone & Co. In der Smart City der Zukunft könnten vernetzte Straßenlaternen zur städtischen Dateninfrastruktur werden, die Gebäude mit einer Internetverbindung versorgen. „Aber auch für Nischenmärkte ist die Technik dank ihrer Vorteile gegenüber der Funkübertragung interessant“, wirft Maierbacher ein. OWC sendet keine Funkwellen, ist daher für den Einsatz in Flugzeugen oder Krankenhäusern ideal. Auf der anderen Seite ist die lichtbasierte Kommunikation unempfindlich gegenüber elektromagnetischen Störungen. Auch in der Produktion, wo Funkverbindungen etwa durch Elektromotoren, starke Magnetfelder und Schweißarbeiten schnell gestört werden, könnte OWC also seine Vorzüge ausspielen.

Die Begrenztheit von Licht, das bekanntlich nicht durch Wände dringen kann, ist einerseits Herausforderung der Technologie. Aus dem Blickwinkel der Datensicherheit wird sie zur Chance, wie der Elektrotechniker betont: „OWC bietet die beste Voraussetzung für den Hochsicherheits-Konferenzraum, aus dem keine Daten nach außen dringen können.“

Neuland betreten

So konkret sich die Nutzungsmöglichkeiten bereits abzeichnen, OWC steckt noch in den Kinderschuhen. „Wir betreten absolutes Neuland und haben noch eine erhebliche Entwicklungsarbeit vor uns“, meint Maierbacher. Von den Ergebnissen der kommenden Monate wird es abhängen, ob OSRAM das Projekt langfristig als profitables Geschäftsfeld weiterverfolgt – oder nicht. Löst das Zweifel oder Ängste aus? Nein, im Gegenteil. Die Herausforderung weckt Maierbachers Forschergeist. „Wer neue Wege einschlagen will, muss sich auch trauen, unbekanntes Terrain zu betreten“, sagt er überzeugt und fügt grinsend hinzu: „Mein Motto ist: Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“ Eine kluge Devise für den Weg in die digitale Zukunft.